Jeder kennt den Spruch „Was nichts kostet, ist nichts wert.“ Produkte mit einem großen Preisschild, so die Annahme, würden von Kunden eher geschätzt und geachtet. Aber wie viel ist Open-Source-Software wert, wenn man sie kostenlos nutzen kann? Dieser Frage ist die Harvard Business School nachgegangen.
Im Umfeld Freier Software stellt sich oft die Frage: „Wie kann das, was woanders tausende oder gar Millionen Euro kostet, kostenlos sein?“ Die Antwort ist bekannt: Weil hier viele Menschen mit dem gleichen Anliegen zusammenarbeiten, nicht gegeneinander, weil sie das Rad nicht neu erfinden müssen, sondern auf der Arbeit von anderen aufbauen können. Und nicht zuletzt, weil Open-Source-Software heutzutage von fast jedem Unternehmen produktiv genutzt wird – häufig aber im Verborgenen, unter dem Radar.
Open-Source-Software hat kein Preisschild
Doch ihren Wert zu bemessen, ist schwierig: Die so kollaborativ entstandene und meist zuverlässig im Hintergrund werkelnde Software kann von jedermann schließlich frei verwendet werden. Sie hat kein Preisschild in Form von kostenpflichtigen Software-Lizenzen oder Ähnlichem.
Die Thematik rief förmlich nach einer wissenschaftlichen Analyse. Die renommierte Harvard Business School hat sich jüngst der Thematik angenommen. In ihrer Studie „The Value of Open Source Software“ kommt sie zu dem Schluss, dass Open-Source-Software knapp neun Billionen US-Dollar wert sei: europäische Billionen, also eine Zahl mit 12 Nullen. Ohne Open Source, so die Studie, müssten Unternehmen mehr als das Dreifache ausgeben, um vergleichbare Leistungen zu erhalten.
Wert: Zweimal weltweite Jahresausgaben für Software
Die hohe Summe überrascht selbst Experten, taxieren sie doch die gesamten weltweiten Ausgaben für Software auf 3,4 Billionen Dollar (Zahlen aus 2020). Das bedeutet, dass die etwa 3000 Entwickler, die 95 % des Programmiercodes beisteuern, mehr als das Doppelte an Wert geschaffen haben, als den, den die komplette Weltwirtschaft 2020 in Software investierte. Das Geschäftsmodell funktioniert.
Das Branchenportal Heise hat einen längeren deutschsprachigen Artikel zu der Studie verfasst und verweist dabei auch auf einen Videovortrag von Max Mehl (DB Systel GmbH) auf der Konferenz „FOSS Backstage“.
Fast in jedem Unternehmen und in jeder Software vertreten
Open Source ist längst allgegenwärtig. In über 96 Prozent aller Codebases (die Gesamtheit des Programmcodes eines Softwareprojekts, inklusive Konfigurationsdateien, Dokumentationen, Abhängigkeiten und Skripte) finden sich Open-Source-Bestandteile. Dabei konnten die Verfasser der Studie nicht einmal alle Verwendungsformen einbeziehen: Betriebssysteme haben sie beispielsweise gar nicht erfasst.
Übrigens ist unsere CoreBiz-Produktreihe komplett Open Source.